Jahrgänge 2010-2015

In der Übersicht der Jahrgänge 2010-2015 findet man eine Kurzbeschreibung eines jeden Bordeauxjahrganges in dieser Zeitspanne.

Der Jahrgang 2010 ist überragend und hat typisch klassische Bordeauxweine hervorgebracht. Die klassifizierten Weine sind in der Regel sehr konzentriert, hocharomatisch, äußerst komplex und im klassischen Stil vinifziert. D.h. sie sind auf lange Lagerfähigkeit ausgelegt und benötigen in diesem Fall 10-15 Jahre Flaschenreife. Die untere Grenze gilt für Bordeauxweine mit einem hohen Merlotanteil in der Cuvée, die obere für solche mit einem hohen Anteil Cabernet Sauvignon.

Auch die Preise für diesen Jahrgang haben einige interessante Entwicklungen genommen, die in dieser Form nicht abzusehen waren. Die Verkaufspreise der Châteaux für den Jahrgang 2010 lagen über dem Preisniveau von 2009 und sind die höchsten in der Geschichte des Bordeaux! Als die Weine im Frühjahr 2013 auf den Markt kamen, lagen die Preise im Durchschnitt aber unter dem damaligen Niveau von 2009. D.h. es gibt bei bestimmten Weinen, eine deutliche Preisdifferenz zwischen diesen beiden großen Bordeauxjahrgängen und der Trend hält bis heute an.

Der Grund für diese Entwicklung lässt sich zum Teil damit erklären, dass das Bordeaux Weine des hedonistischen Typs wie aus 2009, die sich durch große Zugänglichkeit und sehr lange Lagerhfähigkeit auszeichnen, nur selten hervorbringt.

Bei den großen Jahrgängen 2009 und 2010 hat die große Nachfrage, trotz hoher Einführungspreisen, zu weiteren deutlichen Preissteigerungen geführt. Die große Nachfrage kommt durch neue Märkte insbesondere in Asien, China, und auch Osteuropa, verbunden mit der Reduzierungen der Zuteilungen für die alten Märkte, wie Amerika und Europa, zustande.

Wer eher klassische Weine bevorzugt, der wird seine Freude mit dem herausragenden und auf dem Markt etwas “günstigeren” Jahrgang 2010 haben, aber auch Geduld mitbringen müssen. Die Lagerfähigkeit der großen Gewächse aus 2010 wird sich mindestens auf dem gleichen Niveau wie für 2009 bewegen, d.h. 30-50 Jahre bei den besten Gewächsen oder darüber liegen. Vergleichbare große Jahrgänge dieses Typs, sind die Jahrgänge 2005, 2000, 1996 mit Einschränkungen und 1990. Bei letzterem ist die Trinkreife seit 2000 erreicht.

Es ist ein kleiner aber klassischer Jahrgang des Bordeaux. Die Weine sind prinzipiell weniger konzentriert und daher weniger lang haltbar. Diese Feststellung gilt umso mehr für einfachere Qualitätsweine. Bei den Grand s Crus Classeés sollte man wählerisch sein, zumal die Preise auf einem zu hohen Niveau lanziert waren. Generell sind die Weine auf einen früheren Konsum ausgelegt und nicht für die Ewigkeit.

Einige  Châteaux haben früh trinkbare charmante Rotweine kreiert, die Spaß machen. Und genau nach solchen sollte man Ausschau halten.

Kaufen sollte man aus diesem Jahr die edelsüßen Weine, die einfach nur großartig ausgefallen sind, vielleicht sogar ein ein Jahrhundert-Jahrgang für diesen Weintyp insbesondere aus dem Sauternes und Barsac. Aber auch in den anderen Appellationen wie Cérons, Saint-Croix-Du Monte und Loupiac, in denen diese Weine angebaut werden, sind sie überirdisch gut gelungen.

In 2017 konnten im Bordeaux einige Grands Crus und Crus Bourgeois nachverkostet werden. Die Weine entwickeln viel besser als erwartet und sind sehr zugänglich und charmant. Die Stilistik erinnert an den Jahrgang 2015, wenn auch nicht so dicht und konzentriert. Aber das Ergebnis ist sehr harmonisch und daher kann man die Weine empfehlen, zumal sie preislich interessant sind. Natürlich können einige Grands Crus gelagert werden, aber wenn ein Wein jetzt charmant ausfällt, dann sollte man ihn auch genießen. Es ist per se kein Jahrgang, der für lange Lagerung geeignet ist, es sei denn die Weine werden sehr kühl gelagert und damit der Reifeprozess verzögert.

Weinkonzil 05-2012 / 06-2015 / 04-2017

Der Jahrgang ist konzentrierter und homogener als 2011 ausgefallen, die weine wirken fester und dichter aber auch dafür weniger zugänglich. Sie benötigen die übliche Lagerzeit bis zur Genussreife und daher kann 2012 als klassisches Bordeauxjahr angesehen werden. Allerdings ist es ein kleines Weinjahr, da die Wetterbedingungen insbesondere im August keine großen Weine zuließen.

Entscheidend für den Ankauf für Grands Crus aus diesem Jahrgang ist der Preis und wenn der stimmt kann man den große Weine zu einem guten Preis erwerben. Die Subskriptionspreise waren allerdings zu hoch angesetzt. so dass es sich in diesem Fall gelohnt hat abzuwarten bis die Weine auf den Markt kamen. Insgesamt sind die Preise deutlich niedriger als die für die Jahrgänge 2009 und 2010.

Weinkonzil 05-2013

Es ist eines der schwächsten Jahre seit Anfang der 90er Jahre. Im Bordeaux wird über den Jahrgang nicht viel gesprochen, das sagt eigentlich schon alles. Nur die Châteaux, die mit lasergsteuerten Lesetischen und viel manueller Lesearbeit die Ernte gestalteten, waren überhaupt in der Lage noch akzeptable Qualitäten abzufüllen. Viele kleine Beeren und auch noch Schimmelbefall durch feuchtes Wetter im Spätsommer und während der Lese ließen keine guten Ergebnisse zu. Die Châteaux im Norden profitierten vom Wind und konnten besseres Traubengut lesen. Und es ist nicht auszuschließen, dass einige Güter durch ein besonderes Mikroklima etwas bessere Qualitäten abfüllen konnten.

Aber selbst die beste Technik konnte aus dem was die Natur hergab, keine großen Weine generieren.  Den Weinen fehlt es nicht nur an Kraft und Aromatik, sondern auch an Seele. An dieser Stelle sollte man daher einfach mal innehalten und sich dessen bewusst sein, dass das Bordeaux dem Wettergeschehen ausgesetzt ist und genau das macht die Weine so spannend. Im Gegensatz zu anderen Weinregionen darf man sich im Bordeaux weder vor Hagel und Sturm noch Sonne schützen. Auch die künstliche Bewässerung ist verboten und die Einhaltung dieser Auflagen wird streng überwacht.

Was die Weine aus dem Jahrgang 2013 angeht, so weisen sie nicht die übliche Lagerfähigkeit auf. Entweder man verkostet die Weine und trinkt sie bei Gefallen, denn besser werden sie nicht, oder man meidet sie. Leider sind die für den Jahrgang angesetzten Preise zu hoch, bei allem Verständnis für den enormen technischen und manuellen Aufwand gerade in extrem schwierigen Jahrgängen.

Weinkonzil 05-2014 / 06-2015

2014 ist wieder ein klassischer Jahrgang, vergleichbar mit 2012, wobei die meisten Weine konzentrierter sind. Allerdings ist die Streuung relativ groß, so wie es im Jahre 2006 der Fall war. Im Norden des Linken Ufer sind die Weine zum Teil zu hart ausgefallen, insbesondere dem Saint-Estèphe, aber auch dem Pauillac. Im Süden sind die Weine zugänglicher, der Favorit ist definitiv Saint-Julien. Es ist erstaunlich wie viele Weinen in dieser Appellation sehr gut ausgefallen sind!

Auf dem Rechten Ufer zeigten sich die Weine gut aber nicht überragend, auch wenn die Streuung kleiner  als auf dem Linken Ufer ist. Die großen Namen können sich hervortun und verkörpern ihren Stil. Im Pomerol enttäuschen einige große Château insofern, als die Weine ungewöhnlich streng ausfallen.

Im Jahr 2017 konnten viele Grands Crus des Jahrgangs nachverkostet werden. Der Trend war etwas enttäuschend, denn die Weine wirkten relativ hart und verschlossen. Das ist ungewöhnlich, da sie sich in der Fruchtphase befinden und daher eher ungestüm aber fruchtig ausfallen sollten. Es bleibt abzuwarten, wie es weitergeht und der Jahrgang sollte zu einen späteren Zeitpunkt erneut verkostet werden.

Weinkonzil 04-2015 / 04-2017

Die Beschreibung des Jahrgangs 2015 kann natürlich frühestens nach der Primeurverkostung im April 2016 vorgenommen werden. Aber lassen Sie uns eine Prognose wagen. Wenn man die Bordeaux-Jahrgänge mit statistischen Methoden unter die Lupe nimmt, dann ergeben sich bestimmte Korrelationen im Sinne von statistischen Beziehungen.

Natürlich können wir das Wetter nicht vorhersehen. Aber Weinkonzil wagt die Prognose, dass 2015 wieder ein großes Bordeauxjahr wird! Die Zeit wird es zeigen…

Weinkonzil 06-2015