Große Bordeauxjahrgänge

Eine Aussage über einen Jahrgang kann immer nur eine statistische Betrachtung darüber sein, wie die Qualität der Weine bei der Mehrzahl der Châteaux ausgefallen ist. Daraus kann nicht auf die Qualität des Weins eines bestimmten Château geschlossen werden. Ist man daran interessiert, muss man Informationen speziell zu diesem Wein für das betreffende Jahr einholen. Die Jahrgangsbetrachtung gibt aber zumindest einen Trend an, ob es sich eher um ein großes oder kleines Bordeauxjahr handelt, mit allen möglichen Abstufungen dazwischen.

Neben diesen Aussagen sind Zusatzinformationen zur Stilistik der Weine interessant, d.h. ob sie eher klassisch, streng, untypisch oder modern etc. ausgefallen sind. Über den Stil der Weine kann man ableiten, ob sie für den persönlichen Geschmack tendenziell von Interesse sind oder nicht.

Empirisch kann man feststellen, dass große Bordeauxjahrgänge mit sehr warmen Jahren zusammenfallen. Entscheidend dabei ist aber nicht die Wärme sondern die Sonnenscheindauer, denn je mehr UV-Licht die Reben abbekommen, desto mehr Inhaltsstoffe können sie produzieren, was zu konzentrierten Weinen führt. Außerdem benötigen Cabernet Sauvignon und Petit Verdot mehr Sonne als z.B. die Merlottraube, da sie später im Jahr ausreifen. Ist es aber zu warm in Verbindung mit wenig Niederschlag, können die Weinreben in bestimmten Regionen Trockenstress erleiden, was sich negativ auf die Qualität des Weins auswirkt. Sind die Tage sehr sonnig, aber nicht zu warm und die Nächte eher kühl, dann bilden die Trauben mehr Säure, was zu deutlich frischeren Weine führt. Dies ist für Weißweine noch viel wichtiger als für Rotweine. Zusammenfassend kann man für den Wettereinfluss vereinfacht folgendes feststellen:

– viel Sonnenschein führt zu konzentrierten, aromatischen Weinen
– kühlere Tage und Nächte führen zu Weinen mit mehr Frische

Neben dem Wetter gibt es noch einen weiteren entscheidenden Faktor, der Einfluss auf die Qualität der Weine hat, und das ist die Hygiene im Weinkeller. In die Kellertechnik wurde seit Ende der 90er Jahre erheblich investiert, wobei dieser Trend anhält. Parallel dazu hat sich die Hygiene in gleichem Maße verbessert, was sich durch ein höheres Qualitätsniveau und deutlich geringere Variationen in der Qualität der Jahrgänge bemerkbar macht. Anders formuliert weisen die Weine aus den neueren Jahrgängen eine bessere Qualität bei signifikant geringeren Schwankungen auf.

Vielleicht hilft diese Feststellung mit dem Irrglauben aufzuräumen, dass „alte Weine prinzipiell besser sind“. Früher hatte man nicht die Möglichkeiten der kontrollierten Gährung und nicht die hygienischen Standards von heute. Daher war man auf optimales Traubengut angewiesen um Weine in sehr guter Qualität herzustellen zu können, d.h. man war stark vom Wetter abhängig und hatte ein entsprechend hohes Risiko, da die Abläufe im Keller sehr vielen störenden Einflüssen ausgesetzt waren. Die heutigen Standards minimieren diese Risiken.